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Zuhören
vom 30.11.01
Höre
doppelt soviel zu wie du sprichst.
Schliesslich
hast du von Gott zwei Ohren,
aber
nur einen Mund erhalten.
Zuhören
ist eine der wichtigsten vertrauensbildenten Massnahmen, aber leider auch
eine der seltensten! Zuhören erscheint vielen Menschen als etwas
so Selbstverständliches, dass sie dieser Gesprächstechnik im
Alltag kaum Beachtung schenken.
Aber warum ist das so? Hat sich diese Einstellung mit der Zeit verändert?
Bei
C.G. Jung lässt sich in "Der Inhalt der Psychose" (1908)
nachlesen, dass einmal ein Geisteskranker, den man, nachdem er wieder
einmal einige Worte gesagt hatte, erstaunt fragte, warum er denn solange
vorgezogen habe zu schweigen, antwortete:
"Weil ich die deutsche Sprache schonen wollte"
Laut Karsten Bredmeier (Nie wieder sprachlos! Provokative Rhetorik?
Schlagfertigkeit! 4. Auflage), ist das so, die Rhetorik hat sich verändert.
Verändert deshalb, weil unsere Informationsdichte in der Welt zugenommen
hat und nicht spurlos an der klassischen Rhetorik vorbeigegeangen ist.
Sie hat sich auch verändert, weil die Redekunst, im weiteren Sinn
die Lehre von der Schönheit und der Wirksamkeit des geschriebenen
und gesprochenen Wortes eine tiefe Wandlung durch unser heutiges Kommunikationsverhalten
erfahren hat.
Und sie hat sich verändert, weil die Geschichte wie auch die Historie
tiefe Einschnitte in der Wirksamkeit ihrerselbst hinterlassen haben.
"Die Artikulationsunfähigkeit ... ist umgeschlagen in ein
mehr als lückenhaftes Wissen bei gleichzeitiger Fähigkeit,
diese Löcher mit Geschwätz zuzudecken!"-Günter Grass,
die Zeit-
Hat etwa unsere Kulturwelt eine Besserung der Rhetorik gebracht? Wer
weiss es schon, hingegen wissen wir, dass der moderne Mensch heute -also
sie und ich- als durchschnittlicher Nutzer der modernen Massenkommunikationsmedien
etwa doppelt so viel hört als er spricht. Mehr als 600 Millionen
Wörter sollen durchschnittlich im Laufe eines Lebens auf uns niederprasseln.
Das wurde vor über 10 Jahren festgestellt.
Information erfolgt durch die Medien und deren Informationsdichte und
hat inzwischen ungeahnte Dimensionen erreicht. Live-Berichte von allen
aktuellen Geschehensschauplätzen dieser Welt gehören als normales
Etwas zu unseren "Wohnzimmer-Erlebnissen". Die Welt wird zu
einem Dorf.
Die Folge für uns, die Zuschauer, erreicht am Bildschirm eine besondere
Tragweite: Wir hören alles, weil die Sprache verständlich
ist; wir verstehen alles, weil uns alles bekannt vorkommt. Doch behalten,
im Sinne eines Informationswertes, tun wir wenig. Nur etwa fünf
Prozent des Gehörten und Gesehenen gleibt nach einer Stunde noch
hängen, wobei diese fünf Prozent nicht etwa übermittelte
Dinge sind, sondern assoziierte Gedanken. Also Aussagen, die häufig
noch nicht einmal getätigt wurden, sondern häufig nur verstanden
geglaubt werden.
Doch wir vergessen eines dabei: das Fernsehpublikum will, wie auch das
Publikum bei Vorträgen, Informationen heruntergebrochen haben.
Die Frage des Zuschauers, des Zuhörers, die Frage des Publikums:
"Was geht das mich an?" wird schlisslich einmal zur Grundintention
des Informationsgebers. Zu ihrer Kernfrage!
Verständlich, dass diese "Mich-geht-das-gar-nichts-an"-Mentaliät,
die hier systematisch forciert wird, auch zu einer emotionalen Passivität
führt, wenn überhaupt, so halten unsere Empörungszustände
nur soange an, bis die nächste Information uns erreicht.
Das
Zuhören nicht zu beachten, wäre gerade im Verkauf sogar töricht!
Denn der Kunde hat in erster Linie das Bedürfnis, verstanden zu werden.
Verkäufer, die die Kunst des Zuhörens beherrschen, nehmen nicht
nur mehr Informationen auf; sie werden auch von ihren Kunden mehr geschätzt
und als Partner akzeptiert.
Allerdingst
ist mit "Zuhören" weniger die passive Seite gemeint, also
das Aufnehmen und Verarbeiten des Gesagten. Viel wichtiger ist die aktive
Seite, die dem Gesprächspartner signalisiert, dass wir seinen Ausführungen
unvoreingenommen und interessiert folgen. Dazu gehört auch das "Rückmelden"
des Gesagten, um festzustellen, ob die Informationen so angekommen sind,
wie sie vom Gesprächspartner gemeint waren (Sender, Empänger,
siehe unter Seminare: Rhetorik für Anfänger / Grundlagen der
Kommunikation).
Wenn
sie mehr zuhören und weniger reden, bekommen ihre Verkaufsgespräche
eine ganz andere Grundfärbung. Um dies zu verstehen, ist es wichtig,
sich die einzelnen Ebenen eines Gesprächs zu verdeutlichen. Die Beziehungsebene
ist für den Gesprächsverlauf wesentlich wichtiger als die Sachebene:
Wenn sich die beiden Gesprächspartner unsympatisch sind und sich
ablehnen, ist kaum eine Einigung auf der sachlichen Ebene möglich.
Für den Verkauf bedeutet dies, dass Sie während des gesamten
Verkaufsgesprächs eine tragfähige Beziehung zum Kunden aufrechterhalten
müssen. Und Zuhören ist noch immer die beste Methode dafür.
"Zugegeben:
Zuhören kostet Zeit. Aber noch mehr Zeit kostet es, Missverständnisse
zu klären oder sich mit Scheinproblemen zu befassen, weil man dem
Kunden nicht wirklich zugehört hat."
Prüfen
sie ihre Einstellung!
Effektives
Zuhören verlangt eine positive Einstellung zum Gesprächspartner.
Bleiben sie unvoreingenommen, gerade im Umgang mit schwierigen Gesprächspartner.
Bleiben Sie unvoreingenommen, gerade im Umgang mit schwierigen Gesprächspartnern.
Unser
Motto: Denken ist gut, machen, ist besser!
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